Der Sauvignon Blanc ist eine alte französische Weinsorte, die vermutlich aus dem französischen Südwesten stammt, wo sie seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar ist. Sie gehört zu den Elternsorten von Cabernet Sauvignon. Sauvignon Blanc wird weltweit kultiviert, vor allem in Frankreich, Südafrika, Italien, Australien, Neuseeland und Österreich. Die Sorte bringt Wein recht unterschiedlicher Typologie hervor. Während bei früh gelesenen Trauben unverwechselbare grasig-vegetabile Aromen dominieren, können Weine aus voll- oder überreifen Trauben, die evtl. noch im Barrique ausgebaut wurden, Cassisnoten oder ausgeprägte Mineralität zeigen. Am Gaumen sind die Weine säurebetonter als die der meisten anderen internationalen Weißweinsorten.
Die Sauvignon Blanc Story: Eine neuseeländische Erfolgsgeschichte
Zum Leidwesen vieler Neuseeländer wird der
Begriff „Wein aus Neuseeland“ in der internationalen
Weinwelt oft immer noch mit Sauvignon
Blanc gleichgesetzt. Für die Kiwis und einige andere Eingeweihte
ist dies jedoch längst überholt. Denn die Pinot
Noirs, Syrahs, Cabernets und Merlots gewinnen zunehmend
an internationaler Anerkennung, obwohl mit einem
Anteil von fast der Hälfte des gesamten Anbaus die Sauvignon
Traube die bei Weitem dominierende ist. Und
dabei trinken die Neuseeländer selbst doch lieber Chardonnay,
wenn es um Weißwein geht.
Der Grund für den starken Anbau des Sauvignon liegt
in der internationalen Nachfrage und dem einzigartigen
Prestige, das sich die neuseeländische Ausprägung dieser
Rebsorte in den letzten zwei Jahrzehnten aufbauen
konnte. Denn tatsächlich ist die internationale Nachfrage
nach diesem Weißwein aus Aotearoa so stark,
dass trotz seines hohen Preises und jährlich mehr als
beständig wachsenden Anbauflächen meist schon vor
dem Jahrgangswechsel das „Sold Out“-Schild aufgehängt
werden muss.
Interessanterweise war es gerade dieser Sauvignon
Blanc, der Neuseeland zu seiner internationalen Bedeutung
im Wein verholfen hat. Interessant deshalb, weil
diese ursprünglich aus Bordeaux stammende Rebsorte
und der zwischenzeitlich stark mit den Anbaugebieten
der Loire identifizierte Weißwein in den letzten Jahrzehnten
als Langweiler galt. Seine herausragende Ausformung
fand der Sauvignon bis zuletzt vielleicht im
komplexen französischen Puilly-Fumé, aber speziell die
Anpflanzungen in der Neuen Welt endeten meist in eher
preisgünstigen Weißweincuvées.
Erst die Entdeckung, dass sich die Region Marlborough
im Norden der neuseeländischen Südinsel wie weltweit
keine Zweite für diese Rebsorte eignet und dabei
auch Weine mit einem ganz eigenen, besonderen Charakter
hervorzubringen vermag, verlieh nicht nur dem
Sauvignon Blanc, sondern auch dem Weinland Neuseeland
einen völlig neuen Status. Sehr schnell wurde dieser
Wein zum Kult und mittlerweile zählt seine Ursprungsregion
Marlborough zu den international bekanntesten,
ja sogar der werthaltigsten Weinregion der Neuen Welt.
Gut ablesen kann man das an den Preisen. Wurde vor
20 Jahren für einen Hektar Rebfläche in Marlborough
noch umgerechnet 500 € und weniger bezahlt, liegt der
Preis heutzutage bei bis zu 100.000 €. Und während die
durchschnittliche Flasche Weißwein beispielsweise in
Deutschland im Laden um die 1,90 € kostet, liegt sie für
neuseeländische Sauvignon Blancs bei über 10 €.
Der Siegeszug dieses Weines begann mit dem Jahr
1985, das Neuseeland als ernstzunehmendes Weinland
erstmals auf den Weltkarten auftauchen ließ. In diesem
Jahr gab Cloudy Bay den ersten Jahrgang seines Marlborough
Sauvignon Blanc heraus, ein inzwischen legendärer
Wein, der Mitte der 1990er-Jahre zu den zehn besten
Weißweinen der Welt gezählt wurde. Im wichtigsten
Absatzmarkt USA durfte man in Weinläden zu dieser Zeit
nur zwei Flaschen auf einmal kaufen und im Bestsellerroman
„The Big Picture“ von Douglas Kennedy diente
eine Flasche Cloudy Bay sogar als Mordwaffe.
Harter Weg zum Ruhm
Der Weg zu diesem Ruhm war allerdings hart und steinig.
In den 1960er-Jahren litt Neuseelands Weinindustrie unter
einer fürchterlichen Überproduktion. Die hauptsächlich
angebaute Rebsorte zu dieser Zeit war der unspektakuläre
Müller-Thurgau, der vor allem wegen seiner leichten
Handhabung und seiner guten Ernteerträge Verwendung
fand, dagegen aber kaum große Weine hervorzubringen
vermag. Neuseeländische Weine galten zu diesem Zeitpunkt
als schlecht und in der Herstellung als viel zu teuer
– beides die Nachwirkungen von vorhergehenden, langjährigen
Prohibitionsgesetzen – sodass der Weinexport
so gut wie unmöglich war. Schließlich beschloss die neuseeländische
Regierung ein Subventionsprogramm zur
Stilllegung von Rebflächen, dem am Schluss fast drei
Viertel des nationalen Weinanbaus zum Opfer fielen.
Bis in den Anfang der 1970er-Jahre hinein fand der Weinbau
ausschließlich auf der Nordinsel statt, die Südinsel galt
als ungeeignet und noch unwirtschaftlicher für den Traubenanbau.
Anfang der 70er war es auch, dass der bereits
damals größte Weinhersteller des Landes, Montana Wines,
beschloss, einen Versuchsanbau in Marlborough zu starten.
Dies wurde sowohl von der Regierung als auch von anderen
Weinherstellern stark kritisiert. Mit großem Geldeinsatz
hatte man es ja gerade erst geschafft, die Überproduktion
in den Griff zu bekommen, und nun wollte eine der
Hauptfi guren im Subventionsspiel wieder eine neue Weinregion
erschließen. Der Streit wurde hart ausgefochten,
bis sich schließlich 1973 ein ortsansässiger Farmer, John
Marris, bereiterklärte, probeweise als Vertragswinzer für
Montana auf seinem Grund Reben zu pfl anzen, zu Anfang
in wenig kommerziellem Umfang. Es wurden allerlei Varianten
getestet, Bordeauxrebsorten wie Merlot und Cabernet,
oder Chardonnay und Riesling, vor allem aber wieder
der allseits oft eingesetzte „Muller“, der Müller-Thurgau.
Anfang der 1980er-Jahre schließlich besuchte eine
Gruppe von Marlborough Winzern das Weingut Cape
Mentelle in Margret River, West-Australien, und führten
die ein oder andere Flasche Weißwein aus der Marlborough
Region mit sich, die sie mit dem dortigen Besitzer
und Winzer David Hohnen tranken. Vor allem der Sauvignon
Blanc versetzte David in Staunen. Solch ein unglaubliches
Aroma hatte er noch nie gekostet. Er erkannte
sofort das enorme Potenzial in diesem Wein und erwarb
kurzerhand günstig etliche Hektar Land in Marlborough.
1985 brachte er mit seinem Cloudy Bay genannten Weingut
den ersten, regionentypischen Sauvignon Blanc
heraus. 1990 kam mit der Übernahme von Cape Mentelle
/ Cloudy Bay durch den französischen Champagnerhersteller
Veuve Cliquôt auch das nötige Marketingbudget
und Vertriebsnetzwerk dazu und so wurde dieser
Wein schließlich zu einem Meilenstein für Neuseelands
Weinindustrie und zu einer völlig eigenständigen Typenbestimmung
– dem „Marlborough Sauvignon Blanc“.
Mittlerweise gibt es allein in der Region Marlborough
über 100 Weinproduzenten und weitere kühle Weinregionen
wie Martinborough, Nelson oder Waipara bringen
mindestens ebenso grandiose Sauvignon Blancs hervor.
Auch Hersteller wie Villa Maria, Highfield Estate, Hunters
oder Seresin haben es geschafft, international zum
Renommee dieses Weines beizutragen.
Heute dominiert der Sauvignon Blanc mit mehr als 40 Prozent
den Weinbau Neuseelands, und mit 75 Prozent den
Weinexport. In einigen Märkten wie USA und Großbritannien
ist der neuseeländische Sauvignon bereits ein
Synonym für die Rebsorte, in anderen Ländern schickt er
sich an, das zu werden. Ein großer Teil des alljährlichen
Rebflächenwachstums von 10 bis 15 Prozent (Weltrekord!)
geht in diesen Weißwein und ist vorbestimmt für
den Export. Sollte in einigen Ländern Kontinentaleuropas
oder Asiens ein ebenso großer Boom für diese Art
aromatischer Weine entstehen, dann kann man sich vorstellen,
dass der eigentliche Boom für diesen herausragenden
Wein erst noch bevorsteht. Dann werden die
anderen, aus Neuseeland stammenden Weine, die wahrscheinlich
nicht weniger Potenzial aufweisen, noch
länger in seinem Schatten stehen.
Quelle: 360° Neuseeland
Autor: Florian Berger |